Igel sind Insektenfresser, doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht mit Schnecken, Regenwürmern etc. ernähren, weil diese Überträger von Innenparasiten sind. Die Ernährung eines Igelpfleglings muss sich an der inhaltlichen Zusammensetzung der natürlichen Nahrung orientieren, also fett- und eiweißreich sein.

Igel sind Insektenfresser, doch in der Gefangenschaft soll man sie nicht mit Schnecken, Regenwürmern etc. aus der freien Natur ernähren, weil diese Überträger von Innenparasiten sind. Die Ernährung eines Igelpfleglings muss sich an der Zusammensetzung der natürlichen Nahrung orientieren, also fett- und eiweißreich sein.

Igel dürfen niemals einseitig ernährt werden! Zur abwechslungsreichen Ernährung eignen sich:

  • Katzen- oder Hundefeuchtfutter (hochwertig, Fleischanteil mindestens 60 %)
  • Eier (hartgekocht oder als Rührei, ungewürzt)
  • Geflügelfleisch (Huhn oder Pute, gekocht)
  • Hackfleisch (kurz gebraten, durchgegart)
  • gezüchtete Futterinsekten (Grillen, Heuschrecken u.a., frisch oder tiefgefroren)
  • Auch geeignet: z.B. Hammel- oder Wildfleisch, Innereien wie Leber und Herz, Salz- und Süßwasserfisch, Meerestiere und Eintagsküken

Am besten bereitet man Mischfutter zu: 50 % Katzenfeuchtfutter und jeweils 50 % Ei oder Fleisch oder Fisch usw. Zum Anbraten empfiehlt sich Pflanzenöl, etwa Sonnenblumen- oder Maiskeimöl.

Zusätzliche Vitamin- und/oder Mineralstoffgaben sind nur selten und dann nach tierärztlicher Verordnung sinnvoll. Ein Zuviel – vor allem an fettlöslichen Vitaminen – kann mehr schaden als nützen!

Nichts heiß oder direkt aus dem Kühlschrank füttern! Geben Sie dem Igel keinerlei Speisereste, nichts Süßes, nichts Gewürztes. Obst und Gemüse, Käse, Nüsse, Quark und Joghurt gehören nicht auf den Speisezettel des Igels. Zum „Zähneputzen“ (Igelzähne neigen zu Zahnsteinansatz) gibt man mindestens einmal pro Woche etwas gekochtes Hühnerklein (Flügel, Hälse, Rücken) mit den Knochen oder einen Rinder-Suppenknochen.

Eine ausschließliche Fütterung mit Katzenfeuchtfutter ist abzulehnen. Im Handel erhältliche Igelfuttermittel (Feucht- und Trockenfutter) sind nicht geeignet.

Näheres zur richtigen Ernährung von Igeln steht in Igel-Bulletin 50 und im Merkblatt „Ernährung hilfsbedürftiger Igel“.

Zu Trinken bekommt der Igel frisches Wasser. Milch ist bewirkt wegen des für Igel unverträglichen Milchzuckers Durchfall, in der Folge Darmentzündungen und Infektionen, die tödlich enden können. Das Wasser reicht man in kippsicheren, flachen Glas- oder Porzellannäpfen.

Das beste Igelfutterrezept stellt keinen vollwertigen Ersatz für die natürliche Igelnahrung dar. Ersatzfutter sättigt den Igel und lässt ihn wachsen. Mit einem „Kunstfutter“ beeinflussen wir aber auch die physiologischen Verdauungs- und Stoffwechselvorgänge und verändern die igelspezifische Darmflora – einer der Gründe, weshalb der Aufenthalt in menschlicher Obhut stets so kurz wie möglich gehalten werden muss.

Rezepte für Futtermischungen (nach M. Neumeier / C. Schiller)
Achtung: Alle Rezeptzutaten (außer Katzenfutter) müssen gegart, also gekocht / angebraten werden!

Rezepte (100 g Futtermischung1) Rp2 % Rf2 % KH2 % H2O2 % kcal
50 g Katzenfutter + 10 g Hühnerleber
+ 40 g Hühnerfleisch mit Haut
18,4 7,5 1,6 69,0 140
50 g Katzenfutter + 50 g Hühnerherzen 14,1 5,2 1,4 75,6 102
50 g Katzenfutter + 50 g Eintagsküken 12,5 5,0 1,1 70,0 92
50 g Katzenfutter + 50 g Hühnerflügel 18,4 8,5 1,0 68,5 185
30 g Katzenfutter + 70 g Rührei 14,2 11,4 1,2 70,7 154
50 g Katzenfutter + 20 g Rinderleber
+ 30 g Rindfleisch (mittelfett)
17,3 7,3 2,3 70,9 137
50 g Katzenfutter + 25 g Rinderherz
+ 25 g Rindfleisch (mittelfett)
16,7 5,0 1,2 73,6 111
50 g Katzenfutter + 50 g Hammelfleisch (fett) 16,2 14,8 1,0 64,6 194
50 g Katzenfutter + 25 g Rührei
+ 25 g Rinderhack
15,9 9,08 1,4 70,1 142
50 g Katzenfutter + 50 g Seehecht 15,0 3,3 1,0 76,3 94
50 g Katzenfutter + 50 g Pazifiklachs 15,5 3,2 1,0 76,7 89
50 g Katzenfutter + 50 g Tintenfisch 14,2 3,1 2,2 76,7 88
50 g Katzenfutter + 50 g Garnelen (Shrimps) 14,4 3,3 1,4 77,2 87
50 g Katzenfutter + 25 g getrocknete
Seidenraupen in 25 g Wasser eingeweicht
18,0 9,5 1,9 65,8 165

1 Die Differenz zu 100 % aus der Summe der Nährstoffangaben ergibt sich aus den Mittelwerten der Nährstoffgehalte und der hier nicht angegebenen Rohfaser- und Rohaschegehalte.

2 Rp = Rohprotein; Rf = Rohfett; KH = Kohlenhydrate; H2O = Wasser

Die erforderliche Nahrungsmenge ist von Igel zu Igel verschieden. Sie hängt vom Körpergewicht und vom Gesundheitszustand ab. Ein mittelgroßer Igel frisst etwa eine Menge, die einen 150-g-Joghurtbecher füllen würde. Maßstab für die richtige Futtermenge bildet die Gewichtszunahme.

Anfangs wird der Igel täglich, später nur noch wöchentlich gewogen. Man legt ihn dazu auf dem Rücken in die Waagschale und pustet ihn ein bisschen an, damit er ruhig hält.

Wenn ein abgemagertes Tier Nachholbedarf hat, kann es täglich 15 bis 20 g zunehmen, später sollten es etwa 10 bis 15 g pro Tag sein. Gut genährte adulte Igel, die z.B. wegen einer Verletzung aufgenommen wurden, müssen lediglich auf ihrem Gewicht gehalten werden. Unterernährten bzw. stark abgemagerten Tieren verabreicht man anfangs im Zweistundentakt sehr kleine Portionen, um ihren Kreislauf nicht zu sehr zu belasten.

Gefüttert wird in der Regel nur einmal täglich, und zwar abends. Läuft jedoch ein offensichtlich hungriger Igel auch tagsüber unruhig im Gehege herum, kann man ihm selbstverständlich Nahrung anbieten. Futterreste müssen weggeworfen und die Näpfe täglich (bzw. nach jeder Mahlzeit) heiß gespült werden.

Sehr kranke und schwache Igel, die selbstständig keine Nahrung aufnehmen, sollten zwangsgefüttert werden. Dazu wird der Igel mit dem Rücken in die linke Hand gelegt (ggf. in einem Handtuch platziert) und in leicht sitzender Stellung mit einer Einwegspritze (1, 2 oder 5 ml) gefüttert, die man seitlich in sein Mäulchen steckt. Den nach Gebrauchsanweisung angerührten Futterbrei verabreicht man zunächst sehr langsam und tropfenweise, damit sich der Igel nicht verschluckt. Je nach Größe des Tieres gibt man täglich vier- bis fünfmal Portionen von 10 bis 30 ml. Zusätzlich bietet man ihm in seinem Gehege normales Futter an, damit es Gelegenheit hat, so bald wie möglich selbst zu fressen.

Zur Zwangsfütterung geeignet sind z.B. die Präparate Hill‘s Prescription Diet “CANINE a/d FELINE” oder „Recovery Royal canin veterinary diet“, die man beim Tierarzt oder im gutsortierten Zoohandel erhält. Wenn der Doseninhalt zu fest für die Spritzenfütterung ist, verdünnt man das Püree mit etwas Fenchel- oder Kamillentee. Übergangsweise (möglichst nicht länger als einen Tag) kann man auch eine laktosearme, gebrauchsfertige Katzenmilch füttern.

Präparate zur Aufzucht von Igelsäuglingen, Katzen oder Hunden sind für die Zwangsfütterung nicht geeignet!

Einen Igel, bei dem Zwangsfütterung nötig ist, muss man selbstverständlich einem Tierarzt oder einer Igelstation vorstellen!

Was Menschen gut bekommt und gesund für sie ist, oder was andere Tiere groß und stark macht, nährt deswegen noch lange nicht auch Igel. Folgende Nahrungsmittel taugen nicht für den Speiseplan eines Igels:

  • Obst: Äpfel, Birnen, Weintrauben, Zwetschgen, Avocados etc.
  • Gemüse: Salat, Möhren, Kartoffeln etc.
  • Milch und Milchprodukte: Käse, Quark, Joghurt usw.
  • Getreideprodukte: Brot, Gebäck, Reis, Nudeln usw.
  • Nüsse, Rosinen
  • Breinahrung für Menschenkinder
  • Speisereste, Küchenabfälle

Dass Igel sich von Obst ernähren, ist ein altes Märchen. Wenn man im Garten einen Igel an einer Pflaume sieht, so locken ihn lediglich die daran krabbelnden Würmer und Insekten. Aufgrund ihres kurzen Magen-Darm-Traktes können Igel pflanzliche Nahrung nicht verdauen und folglich nicht verwerten. Selbst wenn ein Igel hungrig an einem Apfel knabbert, und ihm möglicherweise (wie den meisten Säugetieren) Süßes schmeckt, so nährt es ihn nicht. Über kurz oder lang verhungert ein vegetarisch ernährter Igel!

Eine einseitige Fütterung, die einen Mangel an bestimmten Mineralstoffen oder Spurenelementen bewirkt, kann beim Igel zu schweren neuromuskulären Erkrankungen führen, die oft mit Lähmungen einhergehen und unbehandelt meist einen tödlichen Verlauf nehmen.

Nicht selten werden Igel in Gefangenschaft überfüttert und verfetten regelrecht. Eine übermäßige Gewichtszunahme bei Jungigeln führt häufig zu Schäden an Knochen und Gelenken. So sollten die Körpergewichte von Jungigeln bei Eintritt in den ersten Winterschlaf von 600 g (Weibchen) bzw. 650 g (Männchen) keinesfalls überschritten werden.