Dieser Fragenkatalog dient der Einschätzung und richtigen zur Versorgung hilfsbedürftig aufgefundener Igel. Auch bei der Vorstellung von Igelfindlingen ist ein Großteil der aufgelisteten Fragen wichtig, um die weitere Versorgung richtig anzuleiten oder zu übernehmen.

Download: Checkliste Igelhilfe (PDF)
  • Datum > Ist der Igel schon länger in Obhut, weiter mit 12.
  • Tageszeit > Volles Tageslicht, Dämmerung, Nacht?
    • Am Tag > Tagaktivität ist immer ein Alarmzeichen!
    • In der Dämmerung und bei Nacht > Wohlgenährtes, unverletztes Tier zurück zum Fundort bringen
  • Wurde er durch Hund oder Kinder im Nest aufgestört? > Nicht hilfsbedürftig, falls keine Igelbabys vorhanden.
  • Hat der Igel offen (ohne Deckung) herumgelegen? > Hilfsbedürftig!
  • Einordnung nach Gewicht und ungefährer Körperlänge
    • Igelsäugling > ca. 15 bis 120 g, ca. 5 bis 10 cm Körperlänge > Weiter mit 11.
    • Jungtier > ca. 120 bis 700 g, ca. 11 bis 25 cm Körperlänge
    • Alttier > ca. 800 bis 1500 g, bis 30 cm Körperlänge
  • Wenn keine Waage vorhanden ist, schätzen lassen: Vergleich mit einem Stück Fleisch, einem Paket Butter. Größe: Tennisball, Männerfaust, kleiner oder größer?
  • Wenn sich das Tier kälter als eine normal warme Hand anfühlt, ist es unterkühlt. > Handwarme Wärmflasche in ein Handtuch wickeln, Igel darauf legen, zudecken.
  • ACHTUNG: Zwangsfütterung und jegliche medizinische Behandlung dürfen erst nach Erreichen der normalen Körpertemperatur (ca. 36° C) erfolgen!
  • Wurstform, Einbuchtung am Hals (Hungerfalte), eingefallene Flanken, Rippen tastbar > schlecht genährt, magerer Igel
  • Birnenform > vorne schmal, hinten breiter > gut genährter Igel
  • Nein > Schwaches, krankes, evtl. verletztes Tier
  • Schlitzförmig bzw. Augen sind kaum sichtbar? > Schwaches, krankes Tier
  • Wenn ja, wo? Kleine Wunde, große Verletzung? > Evtl. Tierarzt aufsuchen
  • Flöhe > Mit Flohspray (kein Puder!) behandeln, schwache Igel nicht baden!
  • Zecken > Mit Pinzette herausziehen ohne Zecke zu drehen
  • Fliegeneier und -maden? > Sofort (!) mit Pinzette absammeln
  • Männchen: Hautiger Knopf etwa an der Stelle, wo man den Nabel vermutet
  • Weibchen: Scheide direkt vor dem After > Diese Information ist besonders im Sommer wichtig, da eine Igelin Nachwuchs haben kann, der bei Abwesenheit der Mutter unversorgt bleibt und gesucht werden sollte!

Fragen sinngemäß wie links – außerdem wichtig:

  • Nest mit Igelbabys entdeckt > Nest sofort zudecken, weit weggehen!
  • Außerhalb eines Nestes gefunden? > Sachgemäße Hilfe dringend!
  • Wurden die Kleinen schon mehrere Stunden oder gar Tage beobachtet? > Sachgemäße Hilfe dringend!
  • Wie alt sind das oder die Igelbaby/s? > S. Tabelle Altersbestimmung
  • Sind die Kleinen kalt? > unterkühlt > Sachgemäße Hilfe dringend – Wärmen! Danach Toiletting (s.a. 14), dann Ersatzmilch oder – wenn nicht verfügbar – Fencheltee füttern!
  • Wo ist das Muttertier? > Eventuell suchen lassen!

Tabelle zur Altersbestimmung von Igelsäuglingen

AlterHautfarbeStachelnFellAugen OhrenZähneGewicht (g)
Geburtrosaweißohnegeschlossenkeine12 – 25
1 Wocherosaeinzelne dunkleohnegeschlossenkeine30 – 50
2 Wochengraudunkeletwas Flaumöffnen sichkeine60 – 80
3 Wochengraudunkelvorhandenoffenstoßen durch100 – 130
4 Wochengraudunkeldichtoffenvollzählig140 – 180

© Monika Neumeier

  • Wie ist der Igel untergebracht?
    • Kalter oder warmer Raum, draußen auf Balkon etc.? > Richtig: Hilfsbedürftige Igel müssen immer
      ins Warme (Zimmertemperatur, ca. 20°C)!
    • Behältnis: Karton, Kiste, Käfig? > Richtig: große Kiste, mit Zeitungspapier ausgelegt, Karton mit Nistmaterial und Einschlupfloch als Schlafhaus.
  • Wie sieht der Igelkot aus?
    • Farbe und Konsistenz? > Gesund: braunschwarze geformte Würstchen
    • Grün, schleimig, blutig, dünn? > Hinweis auf Innenparasitenbefall oder bakterielle Magen-Darm-Infektion!
  • Wurde der Igel einem Tierarzt vorgestellt?
    • Welche Medikamente wurden verabreicht?
    • Elektrolytlösung? (B-)Vitamine? > Bei schwachen Tieren oft lebensrettend!
    • Entwurmung? > Nur bei behandlungsfähigem Tier!
    • Womit entwurmt? > Erste Wahl: Wirkstoff Levamisol, 2mal im Abstand von 48 Stunden ins hintere Drittel des Körpers unter die Haut gespritzt
    • Welche Medikamente wurden sonst noch verabreicht?
  • Was bekam der Igel zu fressen und zu trinken?
    • Ungewürzt gegarteses Rührei, angebratenes Hackfleisch, Katzen- oder Hundedosenfutter mit hohem Fleischanteil, gekochtes Ei, Wasser > Richtig!
    • Milchprodukte aller Art > Falsch: Igel vertragen keinen Milchzucker (Laktose). Die Folge: Durchfall, evtl. lebensbedrohend.
    • Obst und Gemüse > Falsch: Nährt den Igel nicht!
  • Wie viel hat der Igel bekommen – wie viel hat er gefressen?
    • Ein Teelöffel, ein Esslöffel voll, gestrichen oder gehäuft > Evtl. zu wenig Futter?
    • Menge entsprechend dem Volumen eines 150-g-Joghurtbechers > Richtig!
    • Gewichtszunahme? > Soll: zwischen 10 und 20 g pro Tag bzw. 70 bis 100 g pro Woche.

Weiterführende Informationen speziell zur Igelhilfe (für Igelfinder, Igelpfleger, Tierärztliche Fachangestellte und Tierheimmitarbeiter):