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Fachpublikationen
Veterinäre und erfahrene Igelpfleger verweisen wir auf unsere Broschüre
"Igel in der Tierarztpraxis",
die von einer mit Igelpatienten sehr erfahrenen Tierärztin verfasst wurde.
Diese Fachpublikation wird mit jeder Neuauflage aktualisiert. Als Hilfe für Diagnostik und
Therapie empfehlen wir außerdem die CD-ROM "Parasitosen und Mykosen des Igels".
Beide Veröffentlichungen können mit unserem
Online-Bestellformular geordert werden.
Unterbringung
Igelpfleglinge sollen grundsätzlich einzeln untergebracht werden.
Nur Wurfgeschwister können anfangs (bis etwa 250 - 300 g Körpergewicht) zusammen bleiben.
Die Einzelhaltung ist Voraussetzung für die Gesundung der Tiere und sie beugt der
Ansteckungsgefahr unter den Igeln vor; sie entspricht im Übrigen der Biologie des
Einzelgängers Igel. Mehr dazu können Sie auf der Seite über die richtige
Unterkunft für Igelpfleglinge nachlesen.
Verletzungen
Der Finder sollte den Igel genau auf Verletzungen untersuchen. Dazu muss
man auch Kopf, Bauchseite und Beine inspizieren. Ist der Igel verletzt,
so sollte man den stachligen Pflegling umgehend einem Arzt vorstellen.
Die Versorgung eines verletzten Tieres ist Sache des igelkundigen Tierarztes
und / oder einer erfahrenen Igelstation.
Außenparasiten
In der warmen Jahreszeit findet man Fliegeneier und -maden in Wunden, aber auch in den
Körperöffnungen (Ohren, Mund, After etc.) unverletzter, jedoch kranker und schwacher
Tiere. Diese müssen unverzüglich entfernt werden. Fliegeneier sind weißliche, etwa 1,5 mm
lange aneinanderklebende Stäbchen, Fliegenmaden kleine weißliche Würmchen. Man sammle
sie sehr sorgfältig mit der Pinzette ab. Igelflöhe lassen sich am besten mit einem
speziellen Spray - aus der Zoohandlung oder vom Tierarzt entfernen. Für junge / schwache Igel wird
man nur ein mildes Präparat wählen, dessen Wirkstoff das Tier nicht zusätzlich angreift.
Man sollte keine Puder zur Entfernung der Außenparasiten verwenden! Puder klebt zwischen den Stacheln
und den Pfötchen, wird unter Umständen ins Futter getragen und mitgefressen.
Zecken sollte man nicht mit Öl, Nagellack oder Klebstoff behandeln!
Man fasst sie mit einer Pinzette möglichst dicht an der Haut des Igels und zieht sie ruckartig
heraus. Igelpfleglinge sollten nur in absoluten Ausnahmefällen gebadet werden,
denn diese Prozedur stresst sie zusätzlich zu Schwäche und Gefangenschaft.
Igelstation und Tierärzte helfen bei der Entfernung der Parasiten.
Innenparasiten
Weist ein Igel keine äußeren Verletzungen auf, dann sind wahrscheinlich Innenparasiten an seiner Schwäche
und Magerkeit schuld. Zu den Innenparasiten zählen Lungenhaar- und Lungenwürmer sowie Darmhaar- und
Darmsaugwürmer. Auch Kokzidien und Bandwürmer gehören dazu. Ein geringer bis mittelgradiger Befall mit
Innenparasiten ist bei Wildtieren normal; ein Massenbefall jedoch, gar verbunden mit Nahrungsmangel oder
Schwächung durch Säuglingsaufzucht, kann tödlich sein. Nahrungsverweigerung, Husten oder röchelndes Atmen
deuten z.B. auf einen massiven Lungenwurmbefall hin. Deswegen müssen die meisten
hilfsbedürftigen Igel gegen Innenparasiten behandelt werden.
Hinweis: Der Wirkstoff Doramectin (Handelsname "Dectomax"), erprobt zur Entwurmung von Heim- und Nutztieren,
wirkt bei Parasitenbefall des Igels nur gegen den Lungenwurm Crenosoma str., ist aber hier nachweislich weniger schnell
erfolgreich als der Wirkstoff Levamisol (Handelsnamen Levamisol 10%, Belamisol 10%, Nematovet 10%), der aufgrund seiner
"Nebenwirkung", den Appetit der meist abgemagerten schwachen Igel anzuregen, zusätzlich zur Genesung der Tiere beiträgt! -
(vergl. Broschüre "Igel in der Tierarztpraxis"
und "Krankheiten der Heimtiere" 7., vollst. überbearb. Aufl. 2008.)
Kotuntersuchung
Durch eine Kotuntersuchung kann man feststellen, an welchen Parasiten das Tier leidet.
Man sammelt den Kot mehrerer Tage, möglichst weiche bis flüssige Teile - und lässt sie bei
einem parasitologischen Institut, beim Tierarzt oder in entsprechend ausgerüsteten
Igelstationen untersuchen. Dann kann man den Igel gezielt behandeln!
Hauterkrankungen
Schorfige Beläge auf der Haut oder erheblicher Stachelausfall deuten auf Hauterkrankungen hin.
Diese können ganz verschiedene Ursachen haben. Milben oder Pilzbefall können
beispielsweise Grund für Stachelausfall und Hautveränderungen sein. Da der Igelfinder
die Ursache nicht ohne weiteres erkennen kann, ist Hygiene im Umgang mit dem Igelpflegling höchstes Gebot!
Einige Hauterkrankungen (Mykosen) sind auf den Menschen übertragbar - daher sollte der
Pfleger unbedingt stachelsichere Handschuhe beim Umgang mit dem Igel tragen!
Diagnose und Behandlung des Igels sind Sache des igelkundigen Tierarztes.
Mit Igelpatienten vertraute Veterinäre arbeiten häufig mit einer Igelstation zusammen.
Bakterielle Erkrankungen
Nicht selten werden bakterielle Infektionen der Lunge und des Darms
bei Igeln diagnostiziert. Sie sind häufig Sekundärerkrankungen bei einem durch starken
Parasitenbefall geschwächten Tier. Um der Ansteckungsgefahr vorzubeugen, ist peinlich
genau auf Hygiene zu achten, wenn mehrere Igelpfleglinge betreut werden.
Diagnose und Behandlung des Igels sind Sache des igelkundigen Tierarztes, oft in Kooperation
mit Igelstationen vor Ort.
Zahnerkrankungen
Alte Igel haben oft Zahnstein. Wenn hilfsbedürftige erwachsene Igel in
menschlicher Obhut schlecht fressen oder anscheinend nicht fressen können,
ist auch eine Untersuchung auf Zahnerkrankungen angebracht. Diagnose und
Behandlung des Igels sind Sache des igelkundigen Tierarztes, oft in Kooperation
mit Igelstationen vor Ort.
und Sonstiges...
Viele andere Krankheiten können Igel treffen und schwächen. Es gibt
etwa Abzesse und Vergiftungen, Lähmungen und Augenkrankheiten sowie Tumoren und
Viruserkrankungen etc. etc.
Weitere Krankheitsanzeichen bei Igeln: Grüner, schleimiger, stinkender, mit Blut durchsetzter Kot,
Durchfall, Blutungen aus Mund und Darm, Gleichgewichtsstörungen, Lähmungen, Apathie,
Abszesse, Krämpfe (nicht mit plötzlichem Zusammenzucken oder Einrollen des Igels verwechseln!), blasse
Schleimhäute oder geschwollene Beine.
Dem mitleidigen Tierfreund ist grundsätzlich der Kontakt zu einer Igelstation
und das Aufsuchen kompetenter Kleintierärzte anzuraten, um dem Igelfindling richtig
zu helfen. Ist der stachlige Pflegling gesundet, dann soll der Igel entweder
sofort zurück in die Freiheit - dies ist anzustreben - oder er muss je nach Jahreszeit
in menschlicher Obhut überwintern und kann erst im nächsten Frühjahr freigelassen werden.
Lesen Sie mehr dazu unter Winterschlaf in menschlicher Obhut
bzw. unter Auswilderung von Igelpfleglingen.
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