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Winterschlaf oder Winterruhe?
Winterruhe bedeutet einen länger andauernden Schlaf, währenddessen geringe
Veränderungen in der Körpertemperatur wie auch beim Stoffwechsel zu beobachten sind.
In Winterruhe befindliche Tiere reagieren auf Reize von außen aber ganz ähnlich wie
im Ruheschlaf: sie sind fähig, in kürzester Zeit zu erwachen und aktiv zu werden.
Ausgelöst wird die Winterruhe zumeist durch nahrungsarme kühlere Zeiten.
Dem gegenüber zeigt der Winterschlaf gänzlich andere Werte. Die Körpertemperatur
und sämtliche Stoffwechselvorgänge werden radikal reduziert. Die Igel reagieren auf
mechanische reize kaum. Die Temperatur nähert sich den Umgebungswerten. Erst nahe dem Nullpunkt
(0° Celsius) produziert das Tier wieder Wärme zum Erhalt einer Minimaltemperatur.
Warum halten Igel Winterschlaf?
Nahrungsmangel ist eine wesentliche Ursache für den Winterschlaf. Wegen des Stachelkleides
und der dadurch bedingten schlechten Wärmeisolierung des Rückens erfordert die Aufrechterhaltung
der Körpertemperatur von ca. 34° C sehr viel Stoffwechselwärme. Bei zurückgehendem Nahrungsangebot
ab Herbst/Winterbeginn ist diese Regulierung für den Igel erschwert bis unmöglich. Nacheinander
verschwinden alle "Energielieferanten", die Käfer und sonstigen Nahrungstiere. Aber auch abnehmende
Tageslichtlänge und sinkende Außentemperaturen beeinflussen die Winterschlafbereitschaft, außerdem
hormonelle Umstellungen. Dann ziehen sich die Igel zurück und halten Winterschlaf.
Winterschlafzeit
Wenn die Igel sich ein gutes Fettpolster angefressen haben, gehen sie schlafen. Zuerst ziehen sich
die Igelmännchen zurück, je nach Witterung bereits Anfang Oktober. Es folgen die Igelweibchen, nachdem
sie sich von der Jungenaufzucht erholt haben. Zuletzt gehen die
Jungigel in Winterschlaf, sie brauchen ihre Zeit, bis sie ein ausreichendes Winterschlafgewicht
erreicht haben. Wenigstens 500 Gramm sollte ein junger Igel Anfang November wiegen, um den ersten
Winterschlaf aus eigener Kraft zu überstehen.
Stoffwechselveränderungen
Im Winterschlaf sind alle Lebensfunktionen auf Sparflamme gesetzt. Die Stoffwechselvorgänge werden
auf durchschnittlich 1-5 % im Vergleich zum aktiven Tier reduziert:
- Die Körpertemperatur sinkt in die Nähe der Umgebungswerte
- Die Herzschläge vermindern sich von ca. 200 auf 2-12 pro Minute
- Die Atemfrequenz sinkt von 50-mal auf nur 13-mal pro Minute
- Sonstige Werte in inneren Organen verändern sich rapide, z.B. sinkt der Blutzuckerspiegel
Bei etwa 5° C Außentemperatur produziert der Igel wieder Wärme, um eine Minimaltemperatur zu erhalten
und nicht zu erfrieren.
Winterschlafdauer
Die durchschnittliche Dauer des Winterschlafs beträgt 5 bis 6 Monate. Kurze Unterbrechungen
sind normal, die Igel erwachen, bleiben im Nest und schlafen bald weiter. Manchmal sind Igel auch
für wenige Tage aktiv und verlassen ihr Nest. Als Ursache vermutet man einen sog. "Reset", ein
Zurücksetzen des während des Winterschlafs massiv gesenkten Stoffwechsels auf die normalen Werte.
Einschlafen und Erwachen
Das Einschlafen selbst dauert beim Igel rund 5-6 Stunden. Die Igel zehren danach in den nächsten Wochen
und Monaten von dem unter dem Stachelbalg eingelagerten weißen Depotfett, das sie sich im Sommer und Herbst
angefressen haben. Kurze Unterbrechungen des Winterschlafs sind nicht ungewöhnlich.
Das Erwachen tritt meist bei länger anhaltenden Außentemperaturen um 10° C ein. Der Aufwachvorgang dauert mehrere
Stunden bei enormem Energieverbrauch, wozu dem Igel speziell das so genannte "braune Fett" dient, das
im Schulterbereich eingelagert ist. Die beim Erwachen bis fünffach erhöhte Durchblutung und die stark
beschleunigte Herz- und Atemfrequenz wird von einem Zittern der Muskeln, insbesondere der Beine, begleitet.
Der Igel verliert im Winterschlaf durchschnittlich 30% seines Körpergewichts. Die Aktivitätsphase des
abgemagerten Igels beginnt mit der Nahrungssuche, bevor der Jahreszyklus sich in der Paarungszeit und
Fortpflanzung bis hin zum neuerlichen Winterschlaf fortsetzt.
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